Didaktik

25 02, 2018

Ich halte keine Vorlesungen, ich halte Lehrveranstaltungen!

von |25. Februar 2018|Vorlesung|0 Kommentare|

Ich habe Physik, Wirtschaftsinformatik und Security Management studiert. Ich saß in wenigen sehr guten und in vielen durchschnittlichen Vorlesungen – und ab und zu in einer katastrophalen Vorlesung. Der Tiefpunkt war einmal erreicht, als in einer Vorlesung zu „Netzwerken“ der Professor sein öffentliches PDF an die Wand warf und draus vor las. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, leider nur an überhaupt gar keine Inhalte aus dieser Vorlesung.

Warum heißt Vorlesung Vorlesung? Weil vorgelesen wird, ganz klar. In Zeiten ohne Computer, Kopierer usw. macht das natürlich auch zur Vervielfältigung von Lehrinhalten Sinn. Heute möchte ich den Sinn davon einmal in Frage stellen. In der Regel werden Vorlesungen durch Übungen oder Praktika ergänzt. Das geht natürlich in die richtige Richtung, allerdings schaffen es weiterhin nur sehr wenige Dozenten über 90 Minuten die Aufmerksamkeitsspanne der Teilnehmer aufrecht zu erhalten.

Wenn ich zurück denke an welche Inhalte von Vorlesungen ich mich erinnern kann, die ich als Student damals genieße durfte, bleiben primär diejenigen übrig, in denen ich mir etwas selbst erarbeitet habe. Der reine passive Konsum von Lerninhalten hingegen war mehr oder weniger Zeitverschwendung.

Aus diesen Gründen halte ich keine Vorlesungen, sondern Lehrveranstaltungen. Haarspalterei? Ja, mag sein. Aber ich lehre Inhalte und lese sie nicht vor. Bei meinen Lehrveranstaltungen müssen sich die Teilnehmer die Inhalte selbst erarbeiten. Ich leite sie, leiste Unterstützung und stelle den Erfolg sicher – Starthilfe und kontinuierliche Betreuung inklusive. Die eigentliche Umsetzung dieses Ansatzes unterscheidet sich je nach Themengebiet, aber das Konzept bleibt das gleiche. Wichtig ist dabei natürlich die Teilnehmer zu fordern, aber nicht zu überfordern und möglichst viel Praxis einzubinden.

Dieses Grundkonzept zieht sich durch meine Vorlesung Lehrveranstaltung „PCI DSS“ an der Technischen Hochschule Brandenburg, durch mein kurzes Intermezzo bei der IHK als Dozent im „Zertifikatslehrgang zum Informationssicherheitsbeauftragter“ und auch durch meine Lehrveranstaltung „IT-Sicherheitsmanagement & Compliance“ an der Hochschule Darmstadt. In gewisser Weise findet sich das Konzept – Inhalte unter Anleitung selbst erarbeiten kombiniert mit maximaler Praxis – auch in den Online-Trainings der binsec academy GmbH wieder.

Warum ich dieses Statement zu meinen Hochschulveranstaltungen so deutlich ausdrücke: Damit die studentischen Teilnehmer genau wissen, worauf sie sich einlassen. Raus aus der studentischen Komfortzone: Schlafen* ist nicht! Wer Inhalte nur passiv konsumieren möchte, sollte besser in eine andere Veranstaltung gehen..

*Kam früher als Student auch bei mir vor.

10 12, 2016

Der didaktische Albtraum: Frontalvortrag + Folienschlacht mit PowerPoint!

von |10. Dezember 2016|Vorträge|0 Kommentare|

Die typische Konferenz, Hochschulvorlesung oder IT-Sicherheits-Schulung: Irgendjemand steht mit einer vorbereiteten PowerPoint-Präsentation vorne und hat nach 5 Minuten die Aufmerksamkeit seines Publikums verloren. Kennzeichen eines Frontalvortrags? Einer redet, der Rest schläft, sitzt am Laptop oder schaut besorgniserregend auf den bald leeren Handyakku.

Als Student wird man mit langweiligen Vorlesungen gequält, später auf Weiterbildungen mit 5-Tage Frontalvortrag am Stück und falls man freiwillig auf eine Konferenz geht, darf man sich zu 80% Referenten anhören, die besser hätten zu Hause bleiben sollen. Das Publikum bedankt sich aus professioneller Höflichkeit und denkt – warum sind wir hier? Was wollte er jetzt sagen? Ob der nächste besser ist?

Es gibt Ausnahmen. Manche haben mich begeistert, z.B.:

  • Dr. S. Paulus (Vorlesungen an der Technischen Hochschule Brandenburg)
  • C. Schäfer (Datenschutzvortrag TISP Community Meeting 2016)
  • A. Alsbih (OWASP Germany Day 2014)

Kennzeichen dieser Dozenten und ihrer Vorträge: Interaktion mit dem Publikum, Humor, Charisma und/oder didaktische Fähigkeiten. Aber vor allem: Kein langweiliger Frontalvortrag bzw. -unterricht.

Es ist ehrlich gesagt nicht einfach einen guten Vortrag oder Schulung zu halten. In einem Fachbuch über Didaktik hatte ich einmal die Aussage gelesen, dass in der ersten Entwicklungsphase eines Dozenten die Hauptangst vor dem Publikum der prägendste Bestandteil des Vortrags ist, sodass man sich in detailreiche Folien flüchtet. Sinngemäß wiedergegeben. Die Aussage hat einen wahren Kern.

Ich hatte meinen ersten Vortrag vor Publikum vor einigen Jahren in der gymnasialen Oberstufe. Ein Vortrag mit weiteren Schülern in der Aula im Rahmen eines Business-Projekts einer der Big4-WP-Gesellschaften. Die Folien waren für damalige Verhältnisse sehr gut, mein Vortragsstil miserabel – ich hatte meinen Text auswendig gelernt. Ein Reinfall, sobald man kurz hängen bleibt oder eine Zwischenfrage gestellt wird. Nie wieder habe ich mir auch nur im Ansatz vorher Textbausteine überlegt oder vorbereitet.

Seitdem hatte ich dennoch weiter Vorträge gehalten. Aus eigenen Fehlern gelernt, aus Fehlern anderer Referenten gelernt und gute Ideen anderer in meinen eigenen Stil integriert. Aktuell bin ich Lehrbeauftragter an Hochschulen, war Dozent in einem IHK-Lehrgang, halte Schulungen bzw. Trainings und gerne auch mal einen Vortrag auf einer Konferenz. Klingt alles gut und wichtig, aber selbst mit dieser Erfahrung gelingt nicht alles. Zu schnell zu sein ist wohl meine No1-Kritik. Ich versuche daran zu arbeiten.

Was sind die Erfolgsfaktoren eines guten Vortrags, Schulung oder Vorlesung? Meiner Meinung nach:

  • Humor und Witz schaden nicht. Sich selbst zu wichtig zu nehmen schon.
  • Zu viele Folien mit zu viel Text oder auch Stichwörtern ist der grundlegend falsche Ansatz. Bücher lesen können die Teilnehmer selbst.
  • Bilder sagen mehr als 1000-Worte. Es gibt günstige Bilddatenbanken.
  • Interaktion mit dem Publikum. Habe ich schon gesagt Interaktion mit dem Publikum? Ja oder? Interaktion mit dem Publikum!
  • Theorie lernt man durch? Praxis! Übungen, Rollenspiele.. echt, Rollenspiele? Ja!
  • Bulimielernen als Konzept ist kein Vorteil (schönen Gruß an CISSP-Vorbereitungskurse). Es ist Zeitverschwendung.
  • Die Vermittlung von Erfahrung schlägt das referieren von Theorie.
  • Was ist besser als Interaktion mit dem Publikum? Noch mehr Interaktion!

Anschließend noch ein Ratschlag: Macht Feedbackrunden – sofern möglich. Eine wahnsinnige Idee oder? Jemanden um kritische Rückmeldung bitten. Feedbackbogen sind nett.. ehrliches, hartes und direktes Feedback ist besser. Charakterstärke und Kritikfähigkeit vorausgesetzt.