OSCE

25 09, 2015

Aussagekraft und Grenzen von Penetrationstests

von |25. September 2015|Pentest|0 Kommentare|

Vor kurzem wurde mir in einem Beratungsgespräch die Frage gestellt, ob man nach einem Penetrationstest eine Garantie bekommt, dass eine geprüfte Anwendung absolut sicher ist. Die Frage ist natürlich aus der Sicht eines Kunden verständlich. Wer je nach Aufwand vielleicht mehrere Tausend Euro für eine Sicherheitsanalyse ausgibt, erwartet zumindest unterschwellig, dass alle möglichen Schwachstellen identifiziert wurden und eine geprüfte Anwendung 100% sicher ist. Die unbequeme Wahrheit ist leider, dass das nicht der Fall sein kann.

Grundsätzlich gilt, dass nahezu alle durchgeführten Penetrationstests ein Kompromiss aus Testaufwand und Aussagekraft sind. Bei professionellen Pentest-Dienstleistern beinhaltet ein Test mindestens,

  • die Prüfung nach einer standardisierten Vorgehensweise, die sich an den Best Practices orientiert
  • die Verwendung eines Tool-Sets, um automatisiert auf typische Schwachstellen prüfen zu können
  • zusätzlich umfangreiche manuelle Prüfungen
  • den Einsatz von zertifizierten Penetrationstestern (eher OSCP & OSCE weniger CISSP / CEH & Co)
  • die Durchführung einer Qualitätssicherung
  • die Abgabe eines detaillierten Berichts

Sind die genannten Kriterien bei einem Test erfüllt, werden mit ziemlicher Sicherheit:

  • alle einfach zu entdeckenden Schwachstellen (low hanging fruits) gefunden
  • mindestens allen Angreifern auf dem Niveau Script Kiddy keine Chance mehr gelassen
  • mindestens alle unspezifischen automatisierten Angriffe die Grundlage entzogen
  • den Aufwand für einen Angreifer auf mindestens den Aufwand erhöht, den der Penetrationstester investiert hat
  • eine absolut aussagekräftige Richtung gezeigt, ob ein Zielsystem bzw. eine Zielanwendung grundsätzlich auf professionellem Security-Niveau aufgesetzt bzw. entwickelt wurde

Das ehrliche Zugeständnis, dass unter Umständen ein Angreifer mit einem deutlich höheren Aufwand dennoch eine Schwachstelle finden könnte, ist leider nicht verkaufsfördernd.

Ein höheres Prüfungsniveau, wie z.B. die Entwicklung oder gar den Aufkauf von Zero Day Exploits ist in den allermeisten Fällen leider nicht realistisch. Die Durchführung eines APTs (advanced persistent threat) auf NSA & Co Niveau ist sehr, sehr aufwendig und würde die Kosten eines Penetrationstests in extreme Höhe treiben. Für einen Kunden wäre das ein enorm schlechtes Preis-/Leistungsverhältnis und die finanziellen Ressourcen ließen sich mit Sicherheit sinnvoller in die eigene Sicherheit investieren.

Aber nehmen wir einmal ein, als Pentest-Dienstleister würde man eine 100%-Sicherheitsgarantie geben: Was würde passieren, wenn ein System dennoch kompromittiert werden würde? Wie soll nachgewiesen werden, dass der Penetrationstester etwas übersehen hat? Wie soll nachgewiesen werden, dass der Kunde das System seitdem nicht verändert hat? Wie soll nachgewiesen werden, dass der Kunde eventuell nicht ein Sicherheitsupdate übersehen hat? Wie wird mit dem Problem von Sicherheitslücken in eingesetzten Frameworks oder Bibliotheken umgegangen? Ein einziger Penetrationstest mit einer 100%-Sicherheitsgarantie und man hat als Dienstleister für alle Ewigkeiten unkalkulierbare Rechtsrisiken. Selbst wenn man das Risiko grob abschätzt und im Durchschnitt auf alle Kunden umlegt, würde es die Kosten eines Penetrationstests unverhältnismäßig in die Höhe treiben. Kein Kunde würde das bezahlen wollen.  Eine 100%-Sicherheitsgarantie ist leider unrealistisch.

Nichtsdestotrotz werden in den meisten Penetrationstests Sicherheitslücken oder -schwachstellen identifiziert, die das Sicherheitsniveau transparenter machen und Potential zur Verbesserung aufzeigen. In der Praxis sind Pentestberichte mit exakt 0 Findings sehr selten und deuten auf ein extrem hohes Sicherheitsniveau hin. Letztendlich ist für den Kunden wichtig, die genannten Grenzen, aber auch die aufgezeigten Vorteile eines Penetrationsteste zu kennen um die für ihn richtige Entscheidung treffen zu können: Pentest ja oder nein?

8 03, 2014

Die Verbreitung von Sicherheitszertifizierungen wie CISSP, CISM, CISA, CEH, OSCP & Co

von |8. März 2014|Zertifizierung|9 Kommentare|

Mich hatte die Verbreitung der unterschiedlichen Sicherheitszertifizierungen interessiert. Ich habe dazu eine kleine Statistik mit der erweiterten Suche in Xing aufgestellt. Als Suchbegriff habe ich die Abkürzung vom Zertifikat (z.B. CISSP) und das Schlagwort „Security“ verwendet. Bei OSCP/OSCE hingegen das Schlagwort „Offensive“.

Die Suche in Xing war nicht auf Deutschland begrenzt, die absoluten Zahlen sind sicherlich ungenau und nicht jeder zertifizierte Security-Spezialist ist in Xing angemeldet und hat auch seine Zertifikate eingetragen.

Ich denke aber, dass die relativen Verhältnisse der Verbreitung der Sicherheitszertifizierungen zueinander einigermaßen gut wiedergegeben werden. Das Ergebnis:

2.135 Certified Information Systems Security Professional (CISSP)
1.484 Certified Information Systems Auditor (CISA)
890 Certified Information Security Manager (CISM)
477 Certified Ethical Hacker (CEH)
255 TeleTrusT Information Security Professional (T.I.S.P.)
74 Offensive Security Certified Professional (OSCP)
35 Certified Secure Software Lifecycle Professional (CSSLP)
28 ISSECO Certified Professional for Secure Software Engineering (CPSSE)
23 Offensive Security Certified Expert (OSCE)

Der CISSP vom Isc² ist die verbreitetste Zertifizierung, danach folgen die Certs von ISACA. Der deutsche TISP ist weit abgeschlagen im Vergleich zum CISSP. Zertifikate im Bereich sicherer Softwareentwicklung sind wenig verbreitet (CSSLP / CPSSE). Es gibt wesentlich mehr „Certified Ethical Hacker“ als OSCP/OSCE.

Ansonsten sind 488 CISSP auch CISA, 354 auch CISM, 204 auch CISM und CISA. Auch gibt es nur etwa 8 in Xing, die OSCP und CEH sind. 153 CISSP sind auch CEH, aber nur 12 CISSP auch OSCP.

Beim inhaltlich sehr krassen Unterschied zwischen OSCP und CISM sind es nur noch 6 mit dieser Kombination. OSCP und CISA sind 7. OSCE + CISM sind nur noch 2 und OSCE + CISA nur noch 1. Es scheint nur sehr wenige zu geben, die Security Management oder Audit mit Penetration Testing / Hacking verbinden.

1 10, 2013

Der CISSP ist keine Pentester-Zertifizierung

von |1. Oktober 2013|Zertifizierung|0 Kommentare|

Nachdem ich letztens wieder eine Stellenanzeige für einen Penetration Tester gesehen habe, die eine CISSP-Zertifizierung fordert, möchte ich dazu ein paar Worte verlieren. Die Kurzform: Der CISSP hat nichts mit Penetration Testing oder Ethical Hacking zu tun. Absolut nichts.

Im Gegensatz zum CISM (Certified Information Security Manager) ist der CISSP (Certified Information Systems Security Professional) technischer ausgerichtet. Das ist soweit korrekt. Nichtsdestotrotz richtet sich der CISSP an Security-Spezialisten, die zwar ein klein wenig technischer orientiert sind als reine klassische Manager, aber deren primärer Fokus eben nicht Pentesting ist. Überhaupt nicht. Sicherlich gibt es Pentester, die eine CISSP-Zertifizierung nachweisen können. Aber man sollte vielleicht eher Pentester-Zertifizierungen wie OSCP, OSCE oder CEH in Stellenanzeigen oder Ausschreibungen fordern.